Reiserecht: Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit

Besteht der Reisemangel nur an vier von zehn Urlaubstagen, kann gleichwohl ein Ersatzanspruch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für den ganzen Urlaub bestehen. 

Das folgt aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). In dem Fall hatte ein Ehepaar eine Reise nach Antalya gebucht. Nach dem Reisevertrag sollten sie in einem bestimmten Hotel in einem Zimmer mit Meerblick oder seitlichem Meerblick wohnen. Das Hotel war jedoch überbucht. Daher wurden sie für drei Tage in einem anderen Hotel untergebracht. Das Zimmer dort bot keinen Meerblick und wies schwerwiegende Hygienemängel auf. Die Eheleute verlangten daher von dem beklagten Reiseveranstalter eine Minderung des Reisepreises sowie eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Sowohl das Amts- als auch das Landgericht in zweiter Instanz sprachen dem Ehepaar eine Reisepreisminderung zu. Ein Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit wurde dagegen verneint.

Der BGH bestätigte die Reisepreisminderung und sprach den Eheleuten auch die geforderte Entschädigung zu:

 

  • Nach Ansicht der      Richter liegt bereits ein Reisemangel vor, wenn die Reisenden nicht in dem      von ihnen gebuchten Hotel, sondern in einem anderen Hotel mit ähnlichen      Standards und ähnlicher Ausstattung untergebracht werden. Dann entspricht      der Wert der vom Reiseveranstalter tatsächlich erbrachten Leistung nicht      dem Wert der gebuchten. Wie etwa „Fortuna-Reisen“ zeigen, bei denen der      Reiseveranstalter Einzelheiten der Reise wie das Hotel nachträglich      bestimmen darf, zahlt der Reisende, dem vertraglich ein bestimmtes Hotel      versprochen wird, einen Teil des Reisepreises auch dafür, dass er diese      Auswahl nach seinen persönlichen Vorlieben selbst trifft und gerade nicht      dem Reiseveranstalter überlässt.

 

  • Der Anspruch auf      eine angemessene Entschädigung setzt voraussetzt, dass nicht nur einzelne      Reiseleistungen oder einzelne Reisetage, sondern die Reise insgesamt      vereitelt oder erheblich beeinträchtigt worden ist. Hier konnten die      ersten drei von zehn Urlaubstagen ihren Zweck weitgehend nicht erfüllen.      Die schwerwiegenden hygienischen Mängel der Ersatzunterkunft haben den      Aufenthalt dort „schlechthin unzumutbar“ gemacht. Auch der Tag des Umzugs      in das gebuchte Hotel konnte im Wesentlichen nicht zur Erholung dienen.      Auch wenn die verbleibenden Tage uneingeschränkt für den Strandurlaub      genutzt werden konnten, wird bei einer derart weitgehenden Entwertung      eines Teils der nach Wochen oder Tagen bemessenen Urlaubszeit diese      teilweise „nutzlos aufgewendet“ und damit auch die Reise insgesamt      erheblich beeinträchtigt. Der BGH hielt hier eine Entschädigung in Höhe      von 600 EUR für angemessen.
  • BGH - Urteil vom 21.11.2017, X ZR 111/16

Marlene Gaydoul 
Magister juris, Rechtsanwältin

(Letzte Änderung: 08.01.2018)